Schüler


Schüler, die aufgrund ihrer Beeinträchtigung weiterhin einen hohen Förderbedarf haben, besuchen nach dem 9. Schulbesuchsjahr die Eingliederungsstufe (Klasse 10-12) in der Außenstelle Worms-Abenheim.

Ziele


Aufbauend auf die Arbeit in den Lernstufen 1-9 ist die Zielsetzung hier Ausbau und Stabilisierung der individuellen Stärken der Schüler im Hinblick auf ihre berufliche Eingliederung, gesellschaftliche Teilhabe und selbstständige Lebensgestaltung. Insofern werden die Jugendlichen intensiv auf die Berufs- und Arbeitswelt sowie ein möglichst selbstbestimmtes Leben nach der Schulentlassung vorbereitet.

Zusätzlich zu den Lerninhalten des Förderzentrums (Kulturtechniken, Sachfächer, musische Erziehung, Sport, Religion) ist eine an der Arbeitswelt und Lebenswirklichkeit der Schüler orientierte Struktur des Unterrichts notwendig. Das beinhaltet auch umfangreiche Praktika.

Organisatorische Rahmenbedingungen


Tagesablauf


Der Tagesablauf in der Klasse 10 - 12 orientiert sich zunehmend an dem zeitlichen Rahmen des Berufsalltags. Das bedeutet es gibt eine etwa halbstündige Frühstückspause und eine einstündige Mittagspause, die auch das Mittagessen beinhaltet. Durch diese Anlehnung an die Arbeitszeiten z.B. in der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) soll den Schülern der Übergang in das Berufleben und die Gewöhnung an andere zeitliche Strukturen erleichtert werden.

Personelle Ausstattung

In der Eingliederungsstufe wird ein Teil der Förderung von einem Arbeitserzieher erbracht. Seine Arbeitsschwerpunkte sind besonders die Durchführung der Praktika und Arbeitsprojekte mit Vor- und Nachbereitung sowie die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Einrichtungen wie WfbM, Berufsbildungswerken und Betrieben.

Inhalte


Unterrichtsstruktur


Hauswirtschaftlicher Bereich
Die Schüler der Eingliederungsstufe sind verantwortlich für das tägliche Mittagessen der Außenstelle Abenheim. Dazu gehört die Gestaltung des Speiseplans in Absprache mit den anderen Klassen, der Einkauf, die möglichst eigenständige Verwaltung des Budgets sowie die Zubereitung der Speisen und die Reinigung.

Gartenbau
Der in Abenheim angegliederte Schulgarten bietet die Möglichkeit, die Schüler über gärtnerische Tätigkeiten in einen unmittelbaren und erlebnisreichen Kontakt mit der Natur zu bringen. Zudem fördert die Schulgartenarbeit grundlegende Kompetenzen wie Arbeitshaltung, Ausdauer, Durchhaltevermögen, Rücksichtnahme und Teamfähigkeit, die für die erfolgreiche Eingliederung in die Berufs- und Arbeitswelt Voraussetzung sind.
Darüber hinaus lernen die Schüler Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen.

Schülerfirma und Dienstleistung
Durch Mitarbeit in einer Schülerfirma lernen die Schüler unter realitätsnahen Bedingungen den Zusammenhang zwischen Arbeit und Entlohnung kennen.
Gleichzeitig werden sie mit den Anforderungen der Arbeitswelt konfrontiert.
Sie können darüber hinaus ihre berufliche Zukunft realistischer einschätzen und ihre Zukunftswünsche relativieren bzw. erweitern.

Leben und Wohnen
Unabdingbar im Hinblick auf die gesellschaftliche Teilhabe und selbstständige Lebensgestaltung ist das Training von "Leben und Wohnen" außerhalb des Elternhauses.
Dabei werden Erfahrungen in allen Bereichen der Lebensführung und Selbstversorgung gesammelt (Hygiene, Sauberhalten eines Zimmers oder einer Wohnung, Nahrungszubereitung, Einkauf, mit Geld wirtschaften, Freizeitgestaltung).

Kennenlernen unterschiedlicher Wohnmöglichkeiten
Im Rahmen des Unterrichts erhalten die Schüler schon frühzeitig die Möglichkeit, verschiedene Einrichtungen und Wohnformen für erwachsene Menschen mit einer Behinderung kennen zu lernen und im Rahmen von Exkursionen zu besuchen. Um möglichst viele Einrichtungen kennen zu lernen, arbeiten Eltern und Schule eng zusammen. Ebenso unterstützen die Lehrkräfte das Probewohnen von Schülern in Wohnheimen im Rahmen der Praktika.

Blockpraktika

Innerhalb des Schuljahres absolvieren die Schüler 1 bis 2 zweiwöchige Praktika in einer WfbM, einem Integrationsbetrieb, einer Tagesförderstätte, einem Berufsbildungswerk oder auf dem freien Arbeitsmarkt.

Quartalspraktika

In jedem Schuljahr durchlaufen die Schüler drei bis vier Quartalspraktika. An einem festgelegten Tag in der Woche arbeiten sie entweder in einer Arbeitsgruppe der WfbM unter Anleitung des Arbeitserziehers oder in der Schule an einem fortlaufenden Projekt in der Hauswirtschaft, im Garten oder im Bereich Handwerk und Technik.

Zukunftsplanung


Ab dem Ende des ersten Schulhalbjahres finden in der Eingliederungsstufe jährlich Förderausschusssitzungen statt. Schüler, Eltern (Betreuer), Klassenteam, Schulleitung sowie der zuständige Rehaberater der Agentur für Arbeit beraten jedes Jahr über die weitere Zukunft des Jugendlichen. Sie entscheiden gemeinsam, ob er am Ende des Schuljahres aus der Schule entlassen wird oder aufgrund des Förderbedarfs weiter in der Schule verbleibt.

Gleichzeitig wird der Schüler vom ärztlichen Dienst der Agentur für Arbeit begutachtet. Dessen Stellungnahme bildet eine wichtige Grundlage bezüglich der Entscheidung über die berufliche Laufbahn.

Weitere Lernmöglichkeiten


Durch die Einrichtung einer Trainingswohnung könnte den Schülern zusätzlich eine Möglichkeit geschaffen werden, Leben und Wohnen außerhalb des Elternhauses zu trainieren.

"Eine gute Schule holt im Unterricht die Schüler dort ab, wo sie stehen, weil sonst alle Bemühungen um Wissensvermittlung irgendwo scheitern."